Eine Challenge für das Teambuilding
Was die junge Radfluencerin Elif Yildirim Arbeitgebern im Umgang mit der Gen Z rät.
Haben Sie es schon gemerkt? Es gibt keine MTA mehr. Damit meine ich nicht den sich immer mehr verschärfenden Personalmangel in den Kliniken und Praxen, sondern eine neue Berufsbezeichnung. Seit 2023 heißen Menschen wie ich nicht mehr „Assistentinnen“, sondern „Medizinische Technologinnen für Radiologie“, abgekürzt: MTR. Damit wollte der Gesetzgeber dem Umstand Rechnung tragen, dass sich unser Berufsbild modernisiert hat und von uns immer mehr Eigenverantwortung verlangt wird.
Klingt gut, in der Praxis merken wir davon aber noch nicht viel. Immerhin: Das neue Curriculum für Auszubildende sorgt dafür, dass diese wissenschaftlicher arbeiten, mehr Selbstlernphasen haben und insgesamt früher selbständiger arbeiten können. Mancherorts funktioniert das auch schon gut. Bei uns am Uniklinikum Köln zum Beispiel, wo ich mich auch als Praxisanleiterin engagiere, werden die Auszubildenden in der Radiologie richtig gut ins Team integriert. Ich hätte mir als Auszubildende gewünscht, nicht erst nach zwei Jahren mein erstes eigenes MRT fahren zu dürfen.
Und trotzdem: Dass wir die Qualitätswächter in der Bildgebung sind und auch in der Begleitung oftmals ängstlicher Patienten eine wichtige Rolle spielen – das drückt sich in der alltäglichen Wertschätzung oft nicht wirklich aus. Dies führt häufig dazu, dass es gerade die Besten sind, die diesen eigentlich so spannenden Beruf aufgeben. Auch ich war kurz davor, ehe mein Freund, ein Kameramann, mich auf eine andere Idee brachte: „Mach doch Social Media!“ So wurde ich zur Radfluencerin.
In meinen Videos auf Instagram, TikTok und LinkedIn versuche ich, Auszubildende unterhaltsam aufzuklären, unseren Beruf sichtbar zu machen – und nicht zuletzt auch, eine Brücke zwischen den Generationen zu bauen. Denn das scheint mir im Moment das größte Problem überhaupt zu sein. Wie ticken die älteren Kolleginnen und Kollegen, was bewegt die Jüngeren (ich selbst bin zum Beispiel Jahrgang 1997), und wie schaffen wir es, besser miteinander zu kommunizieren?
Was heißt dies nun für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber? Die schlechte Nachricht lautet: Klassische Benefits wie eine gute Bezahlung, feste Arbeitszeiten und ein Obstkorb ziehen in meiner Generation nicht mehr. (Dazu gibt es sogar schon Memes, in denen wir uns darüber lustig machen.) Wir wollen gesehen und gehört werden, sorgfältig eingewiesen werden und wirklich unsere Meinung sagen dürfen. Kommunikationskurse wären keine schlechte Idee, aber wie wäre es damit: Ein Team nimmt sich bewusst eine Stunde Zeit, um gemeinsam ein, zwei Videos zu drehen. Ein Thema könnte zum Beispiel eine kleine Challenge sein: Eine oder ein MTR auf der einen und eine Ärztin oder Arzt auf der anderen Seite treten gegeneinander an und erklären typische Geräusche in der Radiologie. Das ist nicht albern, sondern macht großen Spaß und ist ganz nebenbei eine großartige Maßnahme für das Teambuilding. Und wenn Sie das Video auf Social Media veröffentlichen, sind sie gleichzeitig auch da, wo Ihre potenziellen Auszubildenden sind.
Wenn Sie diese Zeilen lesen, haben Sie vielleicht schon bemerkt, dass auf dem diesjährigen Röntgenkongress die eine oder andere Veranstaltung zu diesem Thema stattfindet. Und falls nicht: Vielleicht sehen wir uns ja online?
Auf Instagram und TikTok postete Elif Yildirim regelmäßig unter dem Namen „strahlenkunst“. Hier geht`s zu ihrem Profil auf LinkedIn.
„Wir wollen gesehen und gehört werden, sorgfältig eingewiesen werden und wirklich unsere Meinung sagen dürfen.“
Elif Yildirim
Radfluencerin
Als MTR, Praxisanleiterin und freiberufliche Dozentin gehört Elif Yildirim zu den prägenden jungen Stimmen der radiologischen Ausbildung und vereint klinische Expertise mit moderner, zielgruppengerechter Wissensvermittlung.